MENSA

Denkmalpflegerischer Wert und Zukunft

Kamingespräch vom 12.12.2019

Eigene Aufnahme

Nach Monaten der Stille ging am Dienstag, den zweiten Juni 2020, ein Raunen durch die Weimarer Studierendenschaft. Das Zelt hat wieder auf! Nachdem Küchenvirtuose Thorsten Harz im März seinen Löffel niederlegen musste, gibt es nun endlich wieder Mensa! Das Provisorium mit dem einprägsamen maximal funktionalistischen Namen „Versorgungszelt“ ersetzt seit Mitte Januar die Mensa am Park für gut zwei Jahre, während diese saniert wird.

Die Mensa am Park war im Dezember 2019 Thema eines Kamingesprächs im Institut für europäische Urbanistik. Zu Gast waren Kirsten Angermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Denkmalpflege sowie Dirk Slawinsky, ehemaliger Vorsitzender des Studierendenkonvents (StuKo) und „Augenzeuge“ der studentischen Beteiligung bei der Erarbeitung der jetzigen Sanierungspläne.

Die Mensa am Park ist denkmalpflegerisch im Kontext ihrer DDR-Historie hochinteressant. Anfang der 1980er geplant ist sie ein wichtiges Zeugnis der spätmodernen Architektur in der DDR. Sie ist eine der wenigen nicht als Typenbau ausgeführten Mensen der Republik und von Professor*innen, Mitarbeiter*innen und Studierenden der damaligen Hochschule für Bauwesen und Architektur gemeinsam entworfen. Es gibt heute nur noch wenige vergleichbare Gebäude, die den Zeitgeist der späten DDR entsprechend wiedergeben. Insbesondere die Lampenkonstruktion wird immer wieder als denkmalpflegerisch besonders dargestellt. Die sonst hauptsächlich aus dem abgerissenen Berliner Palast der Republik bekannten markanten Glasleuchten stehen sinnbildlich für Design aus DDR-Zeiten.

Eigene Aufnahme

Auch abseits des architektonischen Wertes war die Mensa schon immer prägend für die Studierenden und bot neben der stetigen Versorgung mit Brokkoli-Nuss-Ecken und den anderen uns bekannten Kreationen auch Räume für fast schon ikonische Veranstaltungen. Heute gibt es die alljährlichen MovieLounge, die wohl für fast jede*n zum Studienbeginn in Weimar gehört hat. Schon früher war die Mensa jedoch ein Raum, in dem Feste gefeiert und zusammengekommen werden konnte. Vor allem das Mensa-Fasching war wohl immer ein großes Event. Es zeigt sich, dass die Mensa für die Vorgängerinstitution der Bauhaus-Universität ein wichtiger Ort der Identität und Identifikation war.

Um das Jahr 2010 verschärfte sich die Debatte um einen möglichen Abriss der Mensa. Einerseits wurde argumentiert, dass die Raumaufteilung nicht mehr zeitgemäß für die aktuellen Anforderungen der Weimarer Studierenden sei. Außerdem ging es jedoch insbesondere um die exponierte Lage des Grundstücks nur einen Steinwurf vom Gründungsort des Bauhauses entfernt. Vermehrt gab es Stimmen, unter anderem aus dem damaligen Präsidium der Bauhaus-Universität, die das neue Bauhaus-Museum am liebsten an eben der Stelle, wo die Mensa am Park steht, gesehen hätten. Jedoch gründete sich dann die Initiative Mensadebatte, die sich zum Ziel gesetzt hatte, in einen Diskurs über die Zukunft der Mensa zu treten und diese zu erhalten. Mit einem großen Engagement schaffte es die Initiative im Jahr 2010, den Abriss zu verhindern. Danach war es unter anderem dem großen Engagement der Professur Denkmalpflege zu verdanken, dass die Mensa unter Denkmalschutz gestellt wurde und 2011 das jüngste Kulturdenkmal Weimars wurde. Unter anderem wurde im Rahmen des Prozesses ein Crowdfunding durchgeführt, ein studentisches Seminar entstand und im Jahr 2013 wurde eine Publikation veröffentlicht. Es ist nur der ausdauernden Öffentlichkeitsarbeit der Akteur*innen zu verdanken, dass der Wert der Mensa als Denkmal inzwischen in Fach- und Unikreisen weiter Konsens ist.

Dirk Slawinsky, der ehemalige Vorsitzende des Stukos, war in die Planung der Sanierung der Mensa am Park wohl so gut eingebunden wie sonst kaum eine Person aus dem Umfeld der Studierenden. Jedoch war auch die Einbindung des Stukos kein Paradestück der Partizipation an der Universität. Die Pläne sind den allermeisten Studierenden heute noch weitestgehend unbekannt und auch der StuKo hat über die Jahre oft nur bereits veraltete oder bruchstückhafte Pläne zu Gesicht bekommen.

Dirk Slawinsky beim Kamingespräch am 12.12.2019

Das Studierendenwerk Thüringen als Betreiber der Mensa ist ein Unternehmen, dass normal wirtschaften muss und den meisten Regeln des freien Marktes unterworfen ist. Entsprechend war der Denkmalschutz der Mensa ein konfliktbehaftetes Thema im Austausch mit der Universität und den Verantwortlichen immer wieder ein Dorn im Auge. Grundsätzlich war der partizipatorische Anspruch des Prozesses sehr niedrig und der Diskurs bei den wenigen Präsentationen und Entwürfen, die die Vertreter*innen der Studierendenschaft zu Gesicht bekommen haben, war oft von einem „Herumgeschacher“ geprägt, wie viel denn nun verändert werden müsse und was alles möglich und nicht möglich sei. Ein besonders großer Konfliktpunkt waren – wie könnte es denn anders sein – die Lampenkonstruktionen. Die Kritik des Studierendenwerks besagte, dass sie grundsätzlich entfernt werden müssten, um ein Niederfallen des sich darauf ansammelnden Staubes auf die Tische mit den Essen zu verhindern. Nach großem Protest wird nun ein Teil, aber nicht alle Lampen erhalten und insbesondere über den Gängen verbleiben großflächigere Konstruktionen aus mehreren Lampen.

Das nun beschlossene Konzept, welches gerade hinter den Bauzäunen in der Marienstraße umgesetzt wird, sieht vor allem ein deutlich offeneres Raumkonzept vor. Die Flächen der Küche können reduziert werden, da die neuen Küchengeräte anders als die alten, teilweise noch aus DDR-zeiten stammenden Großgeräte deutlich weniger platzintensiv sind. Die Essensausgabe soll mit einem sogenannten Free-Flow-System Schlangen vermeiden und an verschiedenen „Inseln“ die Gerichte ausgeben. Die Cafeteria wird es in ihrer heutigen Form nicht mehr geben, ebenso wird die Theke der heutigen Nudelbar entfernt. Von außen wird insbesondere der Abbruch der Verbindung zu dem Gebäude, in dem heute das Bafög-Amt sitzt, auffallen. Hierdurch soll das Mensagebäude deutlich freier gestellt werden.

Mitte Dezember war es soweit und die Mensa schloss ihre Türen, was unter Studierenden und Mitarbeiter*innen zu dem ein oder anderen Tränchen führte. Nachdem wochenlang aus den Untiefen der Lager alte Kristallgläser und ähnliches verschenkt worden waren, wurden Bauzäune aufgestellt und die Küche stand erst einmal still. Das sogenannte Versorgungszelt war erst nur ein Gerücht, dass sich auch in der ersten Januarwoche noch nicht bewahrheitete. Erst danach rollten die Laster mit Stangen und Planen an und es entstand zwischen Beethovenplatz und dem Gebäudetrakt in der Marienstr. 13 das vorher so mysteriöse Zelt. Mit einem Hauch von Volksfestatmosphäre besteht hier nun die Auswahl zwischen genau zwei Delikatessen für wahrscheinlich noch relativ genau zwei Jahre.

Das Kamingespräch im Dezember 2019 machte zwei Dinge besonders klar. Engagement für den Erhalt von wertvollen baulichen Strukturen und Räumen, die das studentische Leben prägen, kann funktionieren und ein Diskurs lohnt hier immer. Das Studierendenwerk jedoch ist in seiner jetzigen Funktionsweise leider noch immer zu wenig den Studierenden verpflichtet. Zu oft wird die Wirtschaftlichkeit über die sinnvolle Nutzbarkeit und damit über den eigentlichen Zweck gestellt. Auch Institutionen wie das Studierendenwerk müssen konsequent mehr Partizipation zulassen und mehr Einflussnahme derer, die sie eigentlich versorgen. Dafür müssen wir als Studierende einstehen.

Eigene Aufnahme

Es sei abschließend noch auf die Publikation verwiesen, an der Kirsten Angermann mitgewirkt hat. Sie bietet vor allem aus der denkmalpflegerischen Perspektive sehr interessante und detaillierte Einblicke und ist in der Universitätsbibliothek auszuleihen.

Kirfel, Florian(Hg.) ; Fritz, Moritz ; Angermann, Kirsten (2013): Mensa am Park : vom Gebrauchen und Verbrauchen jüngster Architektur. Mbooks. Weimar

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